Conti-Arbeitnehmer fordern verbindliche Zusagen von Schaeffler
Der Gesamtbetriebsrat des Hannoveraner Automobilzulieferers Continental hat verbindliche Zusagen der Schaeffler Gruppe für den Fall einer Übernahme des DAX-Konzerns gefordert. Vor allem müsse eine Zerschlagung des Konzerns und ein Verkauf der Reifensparte verhindert werden, sagte die Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Bärbel Bruns am Dienstag in Hannover. Schaeffler erklärte, zu den gemachten Zusagen zu stehen. Zuvor hatte der Vorsitzende des Conti-Aufsichtsrates, Hubertus von Grünberg, im Übernahmekampf zur Besonnenheit gemahnt. «Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen», sagte Grünberg dem «Manager Magazin» laut Vorabbericht.
«Wir machen uns große Sorgen um Arbeitsplätze und Standorte der Continental AG», betonte Bruns. Deswegen fordere der Gesamtbetriebsrat in einem offenen Brief an Schaeffler vor allem langfristige Standort- und Arbeitsplatzsicherheit. Darüber hinaus sollen unter anderem alle Tarifverträge und Vereinbarungen mit der Gewerkschaft IG BCE abgesichert und Mitbestimmungsrechte auf allen Ebenen erhalten und ausgebaut werden.
«Mit dem Brief wollen wir als Arbeitnehmer signalisieren: Wir sind da und wir haben Forderungen», sagte Bruns. Es gehe nun vor allem darum, dass Schaeffler mit Fakten untermauere, dass der Familienbetrieb in der Lage sei, Conti zu finanzieren, ergänzte der stellvertretende Conti-Betriebsratsvorsitzende Michael Deister. Er gehe derzeit davon aus, dass es zu einer Übernahme komme.
Die Schaeffler Gruppe begrüßte die Initiative des Conti-Gesamtbetriebsrates und schlug zeitnahe Gespräche vor. «Wir stehen zu unseren bereits mehrfach gemachten Zusagen», erklärte der Vorsitzende der Schaeffler-Geschäftsleitung, Jürgen Geißinger. Continental solle als Ganzes bestehen bleiben, auch mit Bezug auf das Reifengeschäft. Zur Verlagerung oder einem Abbau von Arbeitsplätzen werde es infolge des Angebots nicht kommen. «Und wir sind zuversichtlich, dass wir zu den weiteren vom Gesamtbetriebsrat angesprochenen Punkten zu einer einvernehmlichen Lösung kommen werden», ergänzte Geißinger.
Grünberg erklärte in dem Interview mit dem «Manager Magazin», dass er und der Continental-Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer das Schaeffler-Angebot sorgfältig prüfen müssen. Conti müsse sich so schnell wie möglich wieder auf operative Aufgaben konzentrieren, forderte Grünberg zudem. Die Situation sei angesichts der Kostenexplosion bei den Rohmaterialien, der Krise der US-Automobilbauer und der Integration von Siemens VDO schwer genug. Für weiteres Wachstum hat Continental erst am Dienstag mit dem Erwerb von 89,66 Prozent an dem türkischen Reifenhändler Oltas gesorgt.
Im Übernahmekampf hatte Schaeffler erst am Montag das Angebot auf mehr als elf Milliarden Euro erhöht. Statt bislang 69,37 Euro wolle das familiengeführte Unternehmen nun 70,12 Euro pro Stückaktie des DAX-Konzerns aus Hannover bieten, hatte Schaeffler mitgeteilt.
Der Familienkonzern hat sich über Aktien, Optionen und Swap-Geschäfte bereits den Zugriff auf rund 36 Prozent an Conti gesichert. Am Mittwoch will der Conti-Aufsichtsrat in Hannover über eine gemeinsame Position beraten.
Am Dienstag stieg die Conti-Aktie in einem leicht positiven DAX-Marktumfeld bis 17.30 Uhr um 1,5 Prozent auf 72,82 Euro.


